* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Letztes Feedback






Pferde und schwerst behinderte Menschen ?

Die Menschen, über die ich berichten möchte, sind nicht "nur" körperlich beeinträchtigt, sondern können sich auch nicht verbal über ihre Empfindungen äußern. Was also bleibt, um sich ein Bild über ihr Verhältnis zu Pferden zu machen, ist, sie über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Ende Oktober diesen Jahres verabredete ich mich mit einer gemeinnützigen Organisation Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, die im Jahre 1990 auf Initiative der Eltern der Betroffenen gegründet wurde. Sie bietet inzwischen eine große Palette an Aktivitäten und Maßnahmen zugunsten der Behinderten und ihrer Angehörigen. Hierzu gehört unter anderem ein Wohnheim, in dem rd. 20 Behinderte untergebracht sind. Einen Großteil der Menschen, die dort leben, kenne ich seit Jahrzehnten. Und ihre Eltern, die -inzwischen schon sehr bejahrt- froh sind, ihre Kinder auch weiterhin auf ihrem Lebensweg begleiten zu können. Ich habe mich entschlossen, eine Gruppe von 3 Bewohnern des Heimes zu einem ihrer Treffen mit den Pferden in einem benachbarten Reitstall zu begleiten. Sie fahren regelmäßig, ein bis zweimal wöchentlich, dorthin. Als wir ankommen und die Türen des VW-Busses geöffnet werden, stürmt als erstes ein junger Mann heraus. Sein Gesicht strahlt. Luna, Luna ...murmelt er vor sich hin. Und dann ist er nicht mehr zu halten und stürmt, allen anderen voran, im Stechschritt in den Reitstall. Die Betreuer kennen das schon. " Lassen Sie Heiko ruhig gehen, man erwartet uns schon, und die Pferde kennen ihn gut. Die haben keine Angst. " Ich folge dem jungen Mann. Wir kommen in eine Reithalle, in der uns zwei Pferde mit ihren Führern erwarten. Heiko stürmt mit hoch erhobenen, wedelnden Armen auf eines davon zu und klopft ihm ungestüm auf den Hals. Ganz so, als wolle er sagen: hey, da bin ich. Das Pferd, wie ich später erfahre ist es die Luna, steht ganz ruhig, es scheint zu spüren, dass ihm trotz dieser etwas ungewöhnlichen Art der Begrüßung keine Gefahr droht. "Heiko, Du kannst gleich reiten. Aber gib Luna doch erst einmal ein Möhrchen. " Das macht Heiko ohne jede Furcht, wobei er das letzte Stückchen doch lieber fallen lässt, da er nicht in die Finger gebissen werden möchte. Eine flache Hand zu machen gelingt ihm nur mit Hilfe. Während ich fasziniert zuschaue, kommen die anderen mit ihren Begleitern an. Sie müssen im Rollstuhl geschoben werden, aber man merkt auch ihnen die große Vorfreude an. Sie bewegen sch in ihren Rollstühlen aufgeregt hin und her und artikulieren sich. Dann wird Heiko bedeutet, auf eine Kiste neben Luna zu steigen. Er macht das ganz ruhig und gelassen. Dann hebt man ihn auf Luna. Ich staune, welche excellente Haltung er dort annimmt. Ein Mann, dem -wie man mir später sagt- eine 95 prozentige Behinderung attestiert wurde. Der ohne fremde Hilfe gar nicht überleben könnte. Sich nicht ernähren oder kleiden, oder reinigen. Ich bin baff und denke nur: bei meinen ersten Reitstunden habe ich mit Sicherheit kein so gutes Bild abgegeben. Fortsetzung ...
15.11.13 12:51
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung